Was ist das?
Bei der tiefen Hirnstimulation werden elektrische Impulse gezielt auf Schaltstellen im Gehirn abgegeben. Dadurch lassen sich verschiedene Fehlfunktionen korrigieren. Die genaue Funktionsweise ist nicht bekannt. Die Behandlung, die auch als “Hirnschrittmacher” bezeichnet wird, kann die Erkrankungen zwar nicht heilen. Die Symptome lassen sich aber vielfach auch dann noch kontrollieren, wenn Medikamente keine Wirkung mehr erzielen. Die Behandlung hat sich zunächst beim Morbus Parkinson und verwandten Störungen bewährt. Inzwischen wird sie auch bei anderen Hirnerkrankungen erprobt.
Durchführung
Die Implantation eines Hirnschrittmachers erfolgt in einer stereotaktischen Operation. Dazu wird auf dem Schädel ein Rahmen befestigt. Er erlaubt es, die gewünschten Hirnregionen mit größter Präzision anzusteuern. Die Elektroden schieben Chirurgen über kleine Löcher in der Schädeldecke bis in tiefe Hirnregionen vor. Der Patient ist bei vollem Bewusstsein. Durch kurze Teststimulationen prüfen Ärzte, ob die Spitze ihren Zielort erreicht hat. Da viele Schaltstellen auf beiden Hirnhälften vorhanden sind, werden häufig zwei Elektroden implantiert.
Nach den Probestimulationen kann der Impulsgeber entweder noch während der ersten Operation oder bei einem zweiten Eingriff eingesetzt werden. Die Implantation erfolgt häufig im Bereich des Schlüsselbeins. Ein Draht unterhalb der Haut verbindet den Impulsgeber mit der Elektrode. Mit einem äußeren Steuergerät stellt der Arzt Stärke und Frequenz der elektrischen Impulse ein. Die Lebenszeit der Batterien beträgt 3 bis 5 Jahre. Danach ist jederzeit ein Austausch durch eine kleine Operation möglich.
Anwendung
Risiken und Nebenwirkungen
Bei der Operation werden die intakten Hirnhäute durchstochen. Es kann zu Blutungen, zum Austritt von Hirnwasser und im schlimmsten Fall zu Infektionen kommen. Diese Komplikationen sind bei sorgfältiger Durchführung größtenteils vermeidbar. Es besteht aber ein geringes Restrisiko einer dauerhaften Hirnschädigung. Deshalb wird die Therapie nur durchgeführt, wenn andere Behandlungen keine Wirkung erzielen.
Quelle: Klin Neurophysiol 2009; 40: 119-125, Klin Neurophysiol 2009; 40(2): 149-154